Die Frage kam irgendwann zwischen dem dritten Kaffee und dem zweiten Gespräch über Steuern. Ich saß an der Network School mit einem Freelancer aus Hamburg, der seit acht Monaten unterwegs war, und er fragte mich: "Und was machst du mit der Krankenversicherung?"
Ich hatte keine gute Antwort.
Dabei ist es eine der praktischsten Fragen überhaupt, wenn du planst, deinen Wohnsitz abzumelden und als digitaler Nomade loszuziehen. Was passiert mit meiner gesetzlichen KV? Bin ich überhaupt noch versicherungspflichtig? Und welche Optionen gibt es wirklich, außer dem, was in einem Forum vor drei Jahren gepostet wurde?
Ich habe seitdem viel herausgefunden, einige Monate mit SafetyWing experimentiert, bin dann zu Genki gewechselt, und kenne mittlerweile genug Nomaden, um ein vollständiges Bild zu zeichnen. Hier ist der ehrliche Überblick.
Muss ich als digitaler Nomade krankenversichert sein?
Die kurze Antwort: Nach der Abmeldung aus Deutschland nicht mehr nach deutschem Recht.
Die Versicherungspflicht in Deutschland ist an den gemeldeten Wohnsitz gebunden. Paragraf 190 SGB V regelt, wann die GKV-Pflicht endet. Wenn du deinen Wohnsitz abmeldest und das Land verlässt, endet diese Pflicht. Deutschland hat dann gesetzlich gesehen keinen Griff mehr auf deine Krankenversicherungssituation.
Das bedeutet aber nicht, dass du ohne Versicherung reisen solltest. Zwei Gründe dagegen:
Erstens verlangen viele Visa und Länder einen Versicherungsnachweis. Portugals D8-Visum, Spaniens Digital Nomad Visum, Deutschlands eigenes Freiberufler-Visum für Einreisende: alle fordern eine aktive Krankenversicherung als Bedingung. Ohne Nachweis kein Visum.
Zweitens ist ein medizinischer Notfall ohne Absicherung eine existenzbedrohende Situation. Ein Krankenhausaufenthalt in den USA kostet schnell 50.000 bis 100.000 US-Dollar. In Thailand oder Vietnam ist es günstiger, aber "günstig" ist relativ, wenn du auf einer intensivstation landest und kein Netz unter dir ist.
Kurz gesagt: du musst vielleicht nicht nach deutschem Recht, aber du solltest es aus eigenem Interesse.
Was passiert mit der gesetzlichen KV nach der Abmeldung?
Das ist der Teil, den die meisten falsch verstehen.
Wenn du deinen Wohnsitz abmeldest, kannst du deine gesetzliche Krankenversicherung kündigen. Die Krankenkasse braucht dazu einen Nachweis, dass du anderweitig versichert bist. Jede internationale Versicherungsbestätigung reicht dafür. Die Kasse kann die Kündigung dann nicht ablehnen.
Was viele nicht wissen: Die GKV schützt dich ohnehin nicht außerhalb der EU und des EWR. Wenn du in Südostasien, Lateinamerika oder Nordamerika lebst, zahlt deine TK oder AOK im Ernstfall nichts. Trotzdem zahlen manche Nomaden jahrelang weiter in die GKV ein, weil sie nicht wissen, dass sie kündigen können. Das ist rausgeschmissenes Geld.
Das Rückkehrproblem für Selbständige
Hier wird es wichtig, besonders wenn du freiberuflich oder selbständig arbeitest.
Das Rückkehrrecht in die GKV ist nicht selbstverständlich. Angestellte kommen in der Regel problemlos zurück. Aber Selbständige können nach einer langen Auszeit in die PKV gedrückt werden, also in die private Krankenversicherung. Die gesetzliche Schutzregel: Wer in den letzten 60 Monaten mindestens 24 Monate GKV-versichert war, hat ein gesichertes Rückkehrrecht.
Die unbekannte Option: Anwartschaftsversicherung
Wenn du planst, nach zwei oder drei Jahren zurückzukehren, und als Selbständiger nicht in die PKV willst, gibt es eine wenig genutzte Lösung. Die Anwartschaftsversicherung ist eine Art Schlafmodus für deine GKV-Mitgliedschaft. Du zahlst etwa 50 bis 70 Euro pro Monat, hast keinerlei Leistungen, behältst aber dein Rückkehrrecht vollständig. Vorerkrankungen, die du dir im Ausland zugezogen hast, sind dann bei der Rückkehr abgedeckt.
Für jemanden, der auf zwei bis drei Jahre plant, ist das eine sinnvolle Absicherung. Wer nicht weiß, ob er zurückkommt, kann sich die Beiträge sparen.
Alles zur Abmeldung, Steuerpflicht und was du vor dem Loslegen wissen musst, erkläre ich ausführlicher in meinem Artikel über Steuern für digitale Nomaden.
SafetyWing im Test: Günstig, flexibel, aber mit Haken
SafetyWing ist der bekannteste Anbieter für Nomaden-Krankenversicherungen. Das Modell basiert auf 28-Tage-Zyklen, die sich automatisch verlängern. Du kannst jederzeit pausieren oder kündigen, keine Jahresverträge, keine Mindestlaufzeit.
Preise für SafetyWing Nomad Insurance Essential (ca., in EUR):
| Alter | Pro Monat |
|---|---|
| 10-39 | ~52 € |
| 40-49 | ~85 € |
| 50-59 | ~135 € |
| 60-69 | ~180 € |
Die Abrechnung erfolgt in USD im 28-Tage-Rhythmus. Bei einem Kurs von rund 0,92 EUR/USD ergibt sich für einen 30-Jährigen etwa 52 Euro pro Monat. Günstig für das, was geboten wird.
Was ist drin:
SafetyWing zahlt bis zu 250.000 US-Dollar pro Versicherungsperiode für Krankheit und Verletzungen. Seit 2024 gibt es keinen Selbstbehalt mehr außerhalb der USA, das war ein echter Schritt nach vorne. Notfallevakuierungen bis 100.000 Dollar sind inklusive, dazu Reiseverzögerungen, Gepäckverlust und ein kostenlos mitversichertes Kind unter 10 Jahren pro erwachsenem Versicherungsnehmer. Ein nützliches Detail: 30 Tage Heimatlandschutz pro 90-Tage-Periode. Du bist also auch bei Deutschland-Besuchen abgedeckt.
Die Haken:
Vorerkrankungen sind pauschal ausgeschlossen. Wer Asthma, Diabetes oder andere chronische Erkrankungen hat, bekommt dafür im Ernstfall nichts bezahlt. Für bestimmte Erkrankungen wie Hernien, Gallensteine oder Krampfadern gilt eine 24-monatige Wartezeit.
SafetyWing ist technisch gesehen Reisekrankenversicherung, keine vollwertige Gesundheitsversicherung. Routine-Untersuchungen, Vorsorge, reguläre Zahnbehandlungen: alles nicht dabei. Das maximale Eintrittsalter liegt bei 69 Jahren.
Das Deckungslimit von 250.000 Dollar klingt hoch, ist aber bei ernsthaften Erkrankungen in teuren Ländern schnell ausgeschöpft. Das hat mich am Ende dazu gebracht, den Anbieter zu wechseln.
Genki vs. SafetyWing: Was ist der Unterschied?
Genki ist ein deutsches Insurtech-Startup, von Nomaden für Nomaden gebaut. Risikoträger im Hintergrund ist Allianz, das Schadenmanagement läuft über DR-WALTER. Das merkt man in der Abwicklung: professioneller als viele Mitbewerber.
Genki hat zwei relevante Produkte:
Genki Traveler
Der direkte Wettbewerber zu SafetyWing. Preise liegen für Anfang 30-Jährige bei etwa 53 bis 65 Euro pro Monat, je nach Alter und ob du US-Abdeckung buchst. Die Deckungssumme ist 1 Million Euro, also viermal so hoch wie bei SafetyWing.
Es gibt einen Selbstbehalt von 50 Euro pro ambulantem Fall und eine Wartezeit von 14 Tagen für nicht dringende Behandlungen. Notfälle sind sofort abgedeckt.
Genki Native (Basic und Premium)
Das ist der Tarif für Langzeit-Nomaden, die dauerhaften Schutz wollen. Preise beginnen bei etwa 162 Euro im Monat für das Basic-Paket. Vorerkrankungen werden bei Vertragsabschluss individuell geprüft, nicht automatisch ausgeschlossen. Der Mindestvertrag läuft zwölf Monate.
Direkter Vergleich
| Merkmal | SafetyWing Essential | Genki Traveler |
|---|---|---|
| Preis (~30 Jahre) | ~52 €/Monat | ~63 €/Monat |
| Maximale Deckung | 250.000 USD | 1.000.000 EUR |
| Selbstbehalt (außer USA) | 0 € | 50 €/Behandlung |
| Wartezeit | keine | 14 Tage |
| Vorerkrankungen | ausgeschlossen | ausgeschlossen |
| Gepäck / Reiseverzögerung | ja | nein |
| Heimatlandschutz | 30 Tage/90 Tage | nein |
| Kind gratis mitversichert | 1 unter 10 Jahren | nein |
| Max. Eintrittsalter | 69 Jahre | 69 Jahre |
| Vertragsbindung | keine (28-Tage) | monatlich, max. 1 Jahr |
| Sport (Surfen, Tauchen, Klettern) | ja (bis 4.500 m) | ja |
SafetyWing gewinnt bei: Budget, Familien mit Kleinkindern, Reiseschutz inklusive, null Bindung, Heimatlandschutz.
Genki Traveler gewinnt bei: Viermal höhere Deckung, saubereres Gesundheitsprodukt für Menschen, die Reiseschutz separat regeln.
Meine persönliche Einschätzung: Ich war eine Zeit lang mit SafetyWing unterwegs und bin dann zu Genki Traveler gewechselt. Der Hauptgrund war das Deckungslimit. Für jemanden, der regelmäßig in Länder mit teurem Gesundheitssystem reist, reichen 250.000 Dollar einfach nicht als Sicherheitsgefühl aus. Wer jünger ist, gesund und hauptsächlich in Südostasien oder Lateinamerika unterwegs, für den ist SafetyWing eine absolut vernünftige Wahl.
Wann lohnt sich eine internationale PKV statt einer Nomaden-Versicherung?
Für die meisten Nomaden in den ersten Jahren: selten.
Eine internationale PKV von Anbietern wie Allianz Care, Cigna Global oder AXA ist für Expats konzipiert, die langfristig an einem festen Standort außerhalb Deutschlands leben, regelmäßig die USA besuchen, oder über 55 sind und bei Genki Native nicht mehr neu einsteigen können.
Die Preise beginnen je nach Anbieter und Alter bei etwa 150 bis 200 Euro pro Monat für jüngere, gesunde Versicherte. Nach oben ist alles offen. Der Vorteil ist volle Privatkrankenversicherungsqualität: Spezialisten ohne Überweisung, Einbettzimmer, keine Deckelung bei stationären Behandlungen, Akzeptanz in Privatkliniken weltweit.
Wenn du zwischen 25 und 40 bist, gesund bist, und nicht dauerhaft in die USA planst, ist eine internationale PKV meistens oversized. Genki Native deckt das meiste davon für weniger Geld ab.
Meine Empfehlung je nach Situation
Hier ist, wie ich es vereinfachen würde:
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Erste Schritte als Nomade, wenig Budget | SafetyWing Essential |
| Nomade seit 1-2 Jahren, gesund, aktiv | Genki Traveler |
| Langzeit-Nomade, mehr Schutz, Vorerkrankungen möglich | Genki Native Basic oder Premium |
| 50+, regelmäßig USA, braucht umfassende Abdeckung | Internationale PKV (Cigna, Allianz Care) |
| Nomade auf Zeit, plant Rückkehr und ist selbständig | Anwartschaftsversicherung + SafetyWing oder Genki |
Ein praktischer Tipp noch: Wenn du Prämien in USD oder EUR von einem ausländischen Konto überweist, spar dir die Bankgebühren mit einem Transferdienst wie Wise. Bei monatlichen Überweisungen summiert sich das über ein Jahr.
An der Network School habe ich Nomaden kennengelernt, die alle drei Varianten nutzen, und das war für mich ehrlich gesagt der wertvollste Input. Ein Entwickler Mitte 30 schwört auf Genki Native, weil er vor Jahren eine Schultererkrankung hatte, die bei SafetyWing ausgeschlossen wäre. Eine Designerin nutzt SafetyWing, weil sie alle sechs Wochen das Land wechselt und keine feste Laufzeit will. Ein Gründer Anfang 40 hat eine internationale PKV, weil er New York mehrmals im Jahr besucht und dort auch mal in eine Notaufnahme gehen könnte.
Keine Lösung passt für alle. Aber eine dieser drei Optionen passt für dich, wenn du weißt, wie lange und wohin du reist.
In meinem Erfahrungsbericht über die Network School beschreibe ich, wie das Gespräch über Versicherungen, Steuern und Setup bei NS überhaupt erst richtig konkret wurde. Es ist eine dieser Community-Qualitäten, die sich schwer im Voraus beschreiben lassen.
Falls du überlegst, diesen Weg einzuschlagen, und Lust hast, in einer Community zu arbeiten, in der diese Fragen normal sind: Ich kann über meinen Referral-Link 25% auf die erste Buchung weitergeben. Hier zur Bewerbung.
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