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Abmeldung aus Deutschland 2026: Die komplette Anleitung für Freelancer und digitale Nomaden

Abmeldung Deutschland Freelancer 2026: Schritt-für-Schritt vom Einwohnermeldeamt bis zur steuerlichen Abmeldung. Checkliste, GKV kündigen, Steuerpflicht verstehen.

7. Juni 2026 · 15 Min. Lesezeit

Abmeldung aus Deutschland 2026: Die komplette Anleitung für Freelancer und digitale Nomaden

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als ich das erste Mal ernsthaft über die Abmeldung nachgedacht habe. Ich hatte gerade drei Monate am Stück in verschiedenen Ländern gearbeitet, alles lief gut, und dann kam die Frage meines Steuerberaters: "Bist du eigentlich noch in Deutschland angemeldet?" Ja, war ich. "Dann bist du auch noch unbeschränkt steuerpflichtig - auf dein gesamtes Welteinkommen."

Das war der Moment, in dem mir klar wurde, wie wenig ich über dieses Thema wusste.

Die Abmeldung aus Deutschland klingt nach einem bürokratischen Akt von vielleicht einer Stunde. Tatsächlich ist sie ein mehrstufiger Prozess mit melderechtlichen und steuerrechtlichen Dimensionen, die sich gegenseitig nicht ersetzen. Wer das nicht versteht, zahlt weiter deutsche Steuern, auch wenn er seit Monaten im Ausland lebt.

Diese Anleitung erklärt dir den kompletten Prozess - von der Terminbuchung beim Einwohnermeldeamt bis zur finalen Steuererklärung für das Abmeldejahr.

Warum die Abmeldung der unterschätzte erste Schritt beim Auswandern ist

Die meisten Freelancer, die Deutschland verlassen wollen, kümmern sich zuerst um die großen Themen: Welches Land? Welches Visum? Wie sieht der Steuerstatus dort aus? Das sind wichtige Fragen. Aber die Abmeldung wird dabei oft als "Formalie am Ende" behandelt, die man irgendwann zwischen Wohnungsauflösung und Flugbuchung erledigt.

Das ist ein Fehler. Die Abmeldung hat konkrete Auswirkungen auf deine Steuerpflicht, deine Krankenversicherung und eine Reihe von Verträgen - und sie muss in der richtigen Reihenfolge und zur richtigen Zeit passieren.

Was viele falsch machen: Abmeldung beim Einwohnermeldeamt ist nicht dasselbe wie steuerliche Abmeldung

Das ist der wichtigste Satz in diesem Artikel: Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt und die steuerliche Abmeldung beim Finanzamt sind zwei verschiedene Dinge. Das Einwohnermeldeamt kümmert sich um dein Meldewesen - wo du offiziell wohnst. Das Finanzamt kümmert sich um deine Steuerpflicht - und die orientiert sich an der Realität, nicht an einem Stempel.

Wenn du dich beim Einwohnermeldeamt abmeldest, bekommt dein Finanzamt zwar eine automatische Benachrichtigung. Aber das allein reicht nicht. Du musst deinem Finanzamt aktiv mitteilen, dass du wegziehst, deine neue Adresse im Ausland nachweisen und eine abschließende Steuererklärung einreichen.

Die zwei Ebenen: Melderechtlich (Einwohnermeldeamt) und steuerrechtlich (Finanzamt)

Denk es dir so:

Melderechtlich (§ 17 Bundesmeldegesetz): Du gibst beim Einwohnermeldeamt an, dass du Deutschland verlässt. Das beendet deine Registrierung als Einwohner. Frist: innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug, frühestens eine Woche davor.

Steuerrechtlich (§ 1 EStG): Deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland endet erst dann, wenn du weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast. Die Abmeldebescheinigung ist ein Indiz, aber kein Beweis. Das Finanzamt schaut auf die Fakten.

Schritt-für-Schritt: So meldest du dich aus Deutschland ab

Schritt 1: Termin beim Einwohnermeldeamt buchen - rechtzeitig

In deutschen Großstädten sind die Wartezeiten länger als die meisten erwarten:

  • Berlin: Aktuell 6-12 Wochen, manchmal länger. Neue Slots werden täglich früh morgens gegen 7:30 Uhr freigeschaltet.
  • München: 6-8 Wochen oder mehr.
  • Hamburg: Ähnlich wie Berlin - mehrere Bezirksämter im Blick behalten.

Buch also früh genug. Mindestens 8 Wochen vor dem geplanten Abreisetag ist in Großstädten realistisch.

Frühestens eine Woche vor dem Auszug ist die Abmeldung möglich, spätestens zwei Wochen danach (§17 Abs. 2 BMG). Wer die Frist versäumt, riskiert ein Bußgeld bis zu 1.000 Euro (§54 Abs. 2 BMG) - in der Praxis selten durchgesetzt, aber unnötig herausfordern würde ich das nicht.

Manche Städte bieten Online-Abmeldung an (dazu weiter unten mehr). Wenn das in deiner Stadt nicht möglich ist, bleibt der persönliche Termin oder die Abmeldung per Post mit dem ausgefüllten Formular und einer Ausweiskopie (Bearbeitungszeit: 2-4 Wochen).

Alternativ kannst du auch eine bevollmächtigte Person schicken - mit schriftlicher Vollmacht, deinem Ausweis oder einer beglaubigten Kopie davon und dem ausgefüllten Abmeldeformular.

Schritt 2: Das Abmeldeformular ausfüllen - was du eintragen musst

Das Formular ist kurz und überschaubar. Du brauchst:

  • Deinen vollständigen Namen, Geburtsdatum, Geburtsort
  • Die bisherige Adresse in Deutschland (die du abmeldest)
  • Das Datum des Auszugs
  • Die neue Adresse im Ausland (sofern bekannt)

Wichtig: Melde nur die Wohnung ab, aus der du tatsächlich ausziehst. Wenn du noch einen Zweitwohnsitz in Deutschland hast - etwa ein Zimmer bei den Eltern, das du offiziell nutzt - dann bleibt dieser weiter gemeldet. Und damit bleibst du weiter unbeschränkt steuerpflichtig.

Schritt 3: Was du bei "ohne festen Wohnsitz" oder erstem Zielland einträgst

Du musst kein festes Zielland angeben. Wenn du noch nicht weißt, wo du landen wirst, akzeptieren viele Ämter Einträge wie "Reise/ohne festen Wohnsitz" oder einfach das erste Land, in das du einreist. Es ist keine Lüge, wenn sich das danach ändert.

Aber beachte: Das Finanzamt - das diese Daten weiterbekommt - interessiert sich sehr dafür, wo du tatsächlich lebst. Wenn du angibst, du wohnst in Georgien, aber die nächsten sechs Monate hauptsächlich in Deutschland verbringst, hast du ein Problem.

Schritt 4: Abmeldebescheinigung erhalten und aufbewahren - lebenslang wichtig

Nach der Abmeldung bekommst du eine Abmeldebescheinigung. Dieses Dokument ist wichtiger als es aussieht. Du brauchst es für:

  • Die Kündigung deiner GKV mit Sonderkündigungsrecht
  • Sonderkündigungen bei Mobilfunk-, Internet- und Stromverträgen
  • Den Nachweis gegenüber deinem Finanzamt
  • Neue Ausweisdokumente bei der deutschen Botschaft im Ausland
  • Eventuelle Steuererklärungen in späteren Jahren

Mach mehrere Kopien oder ein gutes Scan-Archiv. Dieses Dokument kann auch noch zehn Jahre nach deiner Abmeldung relevant sein.

Schritt 5: Was das Finanzamt automatisch bekommt - und was nicht

Das Einwohnermeldeamt benachrichtigt dein Finanzamt automatisch über die Abmeldung. Das Finanzamt bekommt: deinen Namen, dein Geburtsdatum, das Datum der Abmeldung und die neue Adresse, die du angegeben hast.

Was das Finanzamt nicht automatisch bekommt: eine abschließende Steuererklärung, einen Nachweis, dass du tatsächlich nicht mehr in Deutschland lebst, und Informationen darüber, ob du noch Einkünfte aus deutschen Quellen hast. Das alles musst du aktiv liefern.

Viele Finanzämter schicken nach einer Abmeldung ins Ausland einen Fragebogen mit bis zu 16 Fragen. Themen: Wann bist du ausgezogen? Hast du noch Zugang zu deutschen Räumlichkeiten? Wo ist dein Lebensmittelpunkt? Wie oft bist du noch in Deutschland? Hast du Rückkehrabsichten? Wo liegt dein Vermögen? GmbH-Anteile? Und: Hast du einen deutschen Empfangsbevollmächtigten?

Schreib deinem Finanzamt formlos einen Brief oder nutze dein ELSTER-Konto. Teile mit, dass du zum [Datum] Deutschland verlässt und die Steuerpflicht endet. Gib deine neue Auslandsadresse an - und weise idealerweise gleich einen deutschen Empfangsbevollmächtigten aus.

Was passiert steuerlich nach der Abmeldung?

Das ist der Teil, den die meisten Freelancer unterschätzen - und wo die teuersten Fehler passieren.

Unbeschränkte Steuerpflicht endet erst mit: kein Wohnsitz UND kein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland

§ 1 Abs. 1 EStG ist eindeutig: Unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Nicht UND - oder. Beides triggert die Steuerpflicht.

Wohnsitz bedeutet: Du hast eine Wohnung in Deutschland, die du nutzen kannst - auch wenn du selten dort bist. Das klassische Elternzimmer, das du "ja sowieso jederzeit benutzen kannst", zählt. Auch ein Zimmer in einer WG, das formal auf deinen Namen läuft.

Gewöhnlicher Aufenthalt bedeutet: Du hältst dich regelmäßig und nicht nur vorübergehend in Deutschland auf. Grobe Faustregel: mehr als 183 Tage pro Jahr in Deutschland verbringen, löst dies aus - auch ohne feste Wohnung.

Wenn du ein Zimmer bei deinen Eltern offiziell behältst, bleibst du unbeschränkt steuerpflichtig. Selbst wenn du dich abgemeldet hast. Das Finanzamt schaut nicht auf den Stempel, sondern auf die Realität.

Mehr dazu, was beim Wegzug steuerlich passiert, findest du in meinem Artikel zur Entstrickungssteuer für Freiberufler - und wenn du GmbH-Anteile hast, unbedingt auch zur Wegzugsteuer für Gründer.

Wie lange zahle ich noch deutsche Steuern nach der Abmeldung?

Im Jahr der Abmeldung bist du für den Zeitraum bis zu deinem Wegzug unbeschränkt steuerpflichtig. Das heißt: für die Monate Januar bis Abmeldedatum musst du eine deutsche Steuererklärung einreichen - auf dein gesamtes Welteinkommen in diesem Zeitraum.

Ab dem Tag nach der faktischen Aufgabe deines Wohnsitzes und gewöhnlichen Aufenthalts gilt nur noch beschränkte Steuerpflicht - wenn du überhaupt noch Einkünfte aus Deutschland hast.

Was "beschränkte Steuerpflicht" bedeutet - wenn du noch Einkünfte aus Deutschland hast

Beschränkt steuerpflichtig (§ 1 Abs. 4 EStG) bist du, wenn du nach dem Wegzug noch Einkünfte aus deutschen Quellen erzielst, die in § 49 EStG aufgeführt sind. Das betrifft zum Beispiel:

  • Mieteinnahmen aus deutschen Immobilien
  • Dividenden von deutschen Kapitalgesellschaften
  • Einkünfte aus einem deutschen Betrieb oder einer Betriebsstätte
  • Honorare für Vorträge oder Tätigkeiten, die physisch in Deutschland stattfinden

Für reine Freelancer, die ortsunabhängig für internationale Kunden arbeiten und keine deutschen Immobilien besitzen: In den meisten Fällen entfällt die beschränkte Steuerpflicht. Du arbeitest von Chiang Mai aus für einen Berliner Kunden - das allein reicht nicht aus, um eine inländische Einkunftsquelle nach § 49 EStG zu begründen.

Aber: Wenn du für einen deutschen Auftraggeber arbeitest und dabei faktisch in Deutschland bist (Meetings, Vor-Ort-Projekte), wird es komplizierter. Hol dir in Grenzfällen Rat bei einem Steuerberater mit internationalem Fokus.

Der häufigste Fehler: Abgemeldet, aber weiter unbeschränkt steuerpflichtig

Der Klassiker: Jemand meldet sich beim Einwohnermeldeamt ab, zieht ins Ausland - und lässt das Zimmer bei den Eltern "für Besuche" bestehen. Offiziell als Wohnsitz. Vielleicht sogar mit eigenem Briefkasten und der Möglichkeit, jederzeit zurückzukommen.

Das Finanzamt wertet das als Wohnsitz im Sinne des § 19 AO - und damit bleibt die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen. Vollständig. Für alle weltweiten Einkünfte.

Die Lösung ist nicht angenehm, aber klar: Das Zimmer bei den Eltern darf nicht länger auf deinen Namen laufen. Nicht offiziell, nicht inoffiziell. Entweder ist es ein separates Mietverhältnis mit deinen Eltern, das du de facto nicht aufrechterhältst - oder du gibst es vollständig auf.

Checkliste: Was du vor der Abmeldung noch erledigen musst

GKV: Deine Pflichtversicherung endet nicht automatisch - so kündigst du korrekt

Die gesetzliche Krankenversicherung endet nicht mit der Abmeldung. Du musst aktiv kündigen - aber die gute Nachricht ist: Du hast ein Sonderkündigungsrecht.

Sobald du deine Abmeldebescheinigung hast, schickst du deiner Krankenkasse ein Kündigungsschreiben zusammen mit einer Kopie der Bescheinigung. Die Kündigung wird zum Ende des übernächsten Kalendermonats nach Eingang wirksam. Wer also im Juni kündigt, ist ab 31. August raus.

Wichtig: Kündige erst nach der Abmeldung, nicht davor. Ohne Abmeldebescheinigung hat die Krankenkasse keine rechtliche Grundlage, das Sonderkündigungsrecht anzuerkennen.

Und bevor du kündigst: Sorg für Ersatz. Als Selbstständiger im Ausland brauchst du eine Auslandskrankenversicherung. Viele Freelancer in der Nomaden-Community setzen auf [SafetyWing][SAFETYWING_AFFILIATE_LINK] als erschwingliche Basisabsicherung - monatlich kündbar, weltweit deckend. Mehr dazu in meinem SafetyWing vs. Genki Vergleich, der die Unterschiede für deutsche Nomaden ehrlich durchleuchtet. Auch die ausführlichere Übersicht zur Krankenversicherung für digitale Nomaden lohnt sich als Vorbereitung.

Die Abmeldebescheinigung löst übrigens nicht nur das GKV-Sonderkündigungsrecht aus, sondern auch Sonderkündigungsrechte bei Mobilfunk- und Internetverträgen sowie beim GEZ-Rundfunkbeitrag. Letzterer lässt sich online auf rundfunkbeitrag.de abmelden - rückwirkend zum Abmeldedatum.

Bankkonto, Rentenversicherung, ELSTER-Konto: Was du aktiv informieren musst

Es gibt eine Reihe von Stellen, die du nicht vergessen solltest:

Deine Bank: Informiere deine Hausbank über den Wegzug und kläre, ob du das Konto weiterführen kannst. Viele deutsche Banken erlauben das mit einer Auslandsadresse - es lohnt sich, das Konto noch mindestens sechs Monate zu behalten. Steuerrückerstattungen, Kautionsrückzahlungen und sporadische Überweisungen laufen sonst ins Leere.

Für internationale Zahlungen empfehle ich schon vor der Abmeldung, ein [Wise][WISE_AFFILIATE_LINK]-Konto zu eröffnen. Die Währungsumrechnungsgebühren sind deutlich niedriger als bei klassischen Banken, und du bekommst lokale Bankdaten in mehreren Währungen - praktisch, wenn du Kunden in verschiedenen Ländern hast.

Deutsche Rentenversicherung: Teile der DRV deine neue Auslandsadresse mit. Wenn du bereits Rentenanwartschaften aufgebaut hast, willst du keine Post verpassen. Du kannst die DRV über deren Online-Service oder schriftlich informieren.

ELSTER-Konto: Dein ELSTER-Konto bleibt aktiv. Du wirst es noch für die abschließende Steuererklärung brauchen. Aktualisiere die Adresse dort.

Laufende Verträge: Mit der Abmeldebescheinigung hast du bei vielen Verträgen - Mobilfunk, Internet, Strom, Versicherungen - ein Sonderkündigungsrecht. Nutze das frühzeitig.

Unternehmensbeteiligungen und Wegzugsteuer: Prüf das vor dem Termin

Wenn du GmbH-Anteile hältst, kommen auf dich möglicherweise erhebliche Steuerbelastungen zu - auch wenn du nichts verkaufst. Die Wegzugsteuer nach § 6 AStG greift bei Beteiligungen von mindestens 1% und besteuert stille Reserven fiktiv.

Hast du neben deiner Freelancer-Tätigkeit auch ein Wertpapierdepot mit erheblichen stillen Gewinnen oder Kryptovermögen, lohnt sich eine kurze Beratung vor dem Wegzug. Ob und wie diese beim Wegzug steuerlich relevant werden, hängt vom Einzelfall ab - und die Regeln hier entwickeln sich gerade weiter.

Kläre das mit einem Steuerberater, bevor du den Termin beim Einwohnermeldeamt buchst. Der Artikel zur Wegzugsteuer für Gründer gibt dir einen ersten Überblick.

Abmeldung online: Ist das in Deutschland schon möglich?

Die Antwort ist: Manchmal. Nicht überall. Und nicht immer vollständig digital.

In welchen Städten die Online-Abmeldung 2026 funktioniert - und wo noch nicht

Deutschland ist in Sachen E-Government weiterhin gespalten. Manche Städte und Gemeinden bieten eine vollständige Online-Abmeldung über ihre Bürgerportale an - andere verlangen nach wie vor persönliche Anwesenheit oder schriftliche Einsendung per Post.

Städte, in denen Online-Abmeldung für Auslandswegzug oft möglich ist: München, Lübeck, viele Kommunen in Hamburg und NRW. In Berlin ist das Angebot uneinheitlich, je nach Bezirk.

Bevor du einen Präsenztermin buchst, lohnt es sich, auf der Website deines Einwohnermeldeamts zu schauen, ob dort ein Online-Formular angeboten wird. Du kannst auch Dienste wie abmelden.de nutzen, die für viele Kommunen bundesweit Online-Abmeldungen übermitteln.

Abmeldung aus dem Ausland: Was geht, was nicht geht

Wenn du bereits ausgereist bist, hast du noch zwei Wochen Zeit zur Abmeldung. Du kannst:

  • Eine bevollmächtigte Person in Deutschland beauftragen
  • Das Formular ausgefüllt per Post einsenden (mit Ausweiskopie und ggf. Vollmacht)
  • Online abmelden, wenn deine Gemeinde das anbietet

Was nicht geht: einfach nichts tun. Die Pflicht zur Abmeldung besteht auch dann, wenn du bereits ausgereist bist. Bei Verstößen sind Bußgelder bis 1.000 Euro möglich.

Nach der Abmeldung: Was du in den ersten Monaten noch beachten musst

Steuererklärung für das Abmeldejahr: Teiljahrveranlagung und was zu tun ist

Für das Jahr, in dem du dich abmeldest, musst du eine finale deutsche Steuererklärung einreichen. Diese deckt den Zeitraum vom 1. Januar bis zum Tag deiner faktischen Abmeldung ab.

In diesem Zeitraum warst du unbeschränkt steuerpflichtig - dein gesamtes weltweites Einkommen in diesen Monaten gehört in die Erklärung. Das ist kein Fehler des Systems, sondern Normalzustand: Du hast den Schutz und die Infrastruktur des deutschen Sozialstaates bis zu diesem Datum genossen.

Nach dem Abmeldedatum: Wenn du noch beschränkt steuerpflichtige Einkünfte aus Deutschland hast (Mieteinnahmen o.ä.), musst du dafür jährlich eine Steuererklärung einreichen - auf dem Formular ESt 1 C (beschränkt Steuerpflichtige) über ELSTER.

Wenn du gar keine deutschen Einkünfte mehr hast: In den meisten Fällen bist du danach komplett raus.

Wie lange du erreichbar bleiben solltest - Post vom Finanzamt kommt auch nach Jahren

Das Finanzamt hat Zeit. Steuerbescheide, Rückfragen und Betriebsprüfungen können noch Jahre nach der Abmeldung eintrudeln. Die reguläre Festsetzungsverjährung beträgt vier Jahre, in manchen Fällen zehn Jahre.

Mein dringender Rat: Behalte einen offiziellen Briefempfänger in Deutschland bei. Ohne deutschen Empfangsbevollmächtigten schickt das Finanzamt keine Post ins Nicht-EU-Ausland weiter - stattdessen wird öffentlich zugestellt, und Steuerbescheide werden sofort fällig, ohne dass du es weißt.

Deine Optionen:

  • Steuerberater als Empfangsbevollmächtigter: Die professionellste Lösung. Er empfängt, liest und leitet weiter - und kann direkt reagieren.
  • Virtuelle Postfachdienste: ClevverMail, Dropscan oder MyEarth.ID scannen deine Post und schicken sie dir digital. Wichtig: Diese c/o-Adresse darf nicht als Wohnsitz gemeldet sein, sonst entsteht wieder ein steuerlicher Wohnsitz in Deutschland.
  • Vertrauensperson: Funktioniert, aber der Empfänger muss verstehen, dass die Adresse keine gemeldete Wohnsitzadresse ist.

Informiere dein Finanzamt über deine aktuelle Auslandsadresse und gib deine E-Mail-Adresse für Rückfragen an.

Außerdem: Für Einkommensteuer-Vorauszahlungen, die du möglicherweise noch schuldest, bleibst du verantwortlich. Schau in meinen Artikel zur Einkommensteuer-Vorauszahlung für Freelancer, um sicherzugehen, dass du keine laufenden Fristen verpasst.

Was ist mit der erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach § 2 AStG?

Für vollständigkeit: Es gibt noch eine dritte Kategorie, die viele nicht kennen - die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG.

Sie gilt, wenn du in ein Niedrigsteuerland ziehst (die Steuerbelastung dort liegt um mehr als ein Drittel unter der deutschen), du in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland warst, und du weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland hast. Letzteres bedeutet: Inlandseinkünfte über 16.500 Euro jährlich (oder mehr als 30% deines Gesamteinkommens stammen aus Deutschland) - oder inländisches Vermögen über 154.000 Euro.

Wenn das auf dich zutrifft, bleibst du bis zu zehn Jahre nach der Abmeldung auch für weitere Einkunftsarten in Deutschland steuerpflichtig. Die meisten Freelancer, die in EU-Länder wie Portugal, Spanien oder Georgien ziehen, sind davon nicht betroffen - aber wenn dein Zielland steuerlich günstig ist und du noch erhebliche Einnahmen aus Deutschland hast, lohnt sich die Prüfung.

Fazit: Die Abmeldung ist ein Prozess, kein Termin

An der Network School habe ich Freelancer aus über 30 Ländern getroffen, die den Schritt aus Deutschland gewagt haben. Für alle war die Abmeldung nur der Anfang - nicht das Ende. Was danach kam: eine neue steuerliche Identität, ein klareres Bild von den eigenen Finanzen, und oft das erste Mal das Gefühl, wirklich frei zu sein.

Aber die, die es gut gemacht haben, haben es gründlich gemacht. Sie haben sich nicht nur beim Einwohnermeldeamt abgemeldet und gehofft, dass alles automatisch klärt. Sie haben ihre GKV aktiv gekündigt, ihr Finanzamt informiert, die Steuerpflicht sauber abgeschlossen.

Die wichtigsten Punkte nochmal zusammengefasst:

  1. Terminbuchung: 8 Wochen Vorlauf in Großstädten einplanen (Berlin: bis zu 12 Wochen)
  2. Abmeldebescheinigung: Mehrere Kopien machen, lebenslang aufbewahren
  3. GKV: Erst nach Abmeldung kündigen, Sonderkündigungsrecht nutzen
  4. Finanzamt: Aktiv informieren, neue Adresse mitteilen
  5. Wohnsitz vollständig aufgeben: Kein Zimmer bei den Eltern "für Besuche"
  6. Steuererklärung Abmeldejahr: Einreichen für den Zeitraum bis zur Abmeldung
  7. Erreichbar bleiben: Deutsche Bankverbindung und Briefempfänger behalten

Wer das alles beherzigt, macht die Abmeldung richtig - und kann wirklich neu anfangen. Falls du nach der Abmeldung Gleichgesinnte suchst, die denselben Schritt gegangen sind: Bewirb dich hier und spar 25% auf deinen ersten Monat an der Network School.

Mehr zum Thema steuerliche Konsequenzen des Wegzugs findest du in meinem Artikel zu den Steuern für digitale Nomaden und - falls du als Freiberufler mit Kundenstamm weggehst - zur Entstrickungssteuer beim Auswandern.


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