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Portugal auswandern als Freelancer 2026: Was nach dem NHR-Ende wirklich gilt (IFICI, Steuern, Visum)

NHR ist seit Ende 2024 abgeschafft. Was IFICI (NHR 2.0) für deutsche Freelancer 2026 wirklich bedeutet - und wer es tatsächlich bekommt.

11. Juli 2026 · 15 Min. Lesezeit

Portugal auswandern als Freelancer 2026: Was nach dem NHR-Ende wirklich gilt (IFICI, Steuern, Visum)

Ich kenne mindestens sechs Personen aus meinem Netzwerk, die in den letzten zwei Jahren ernsthaft mit dem Gedanken gespielt haben, nach Portugal auszuwandern. Alle haben irgendwo gelesen: "20% Pauschalsteuer, Sonne, Meer, und die EU-Freizügigkeit macht es kinderleicht." Drei davon haben mittlerweile recherchiert, was wirklich gilt. Und alle drei haben festgestellt: Das Bild, das in vielen deutschen Artikeln gezeichnet wird, stimmt so nicht mehr.

Das alte NHR-Regime ist seit dem 31. Dezember 2024 Geschichte. Was danach kam, heißt IFICI - und es ist ein ganz anderes Tier. In diesem Artikel erkläre ich dir, was sich wirklich geändert hat, für wen Portugal 2026 noch Sinn macht, und wo die entscheidenden Fallen liegen. Keine romantisierten Auswanderergeschichten, sondern die nüchterne Faktenlage.

Das Ende des NHR - und was jetzt wirklich gilt

NHR seit 2009: Was es war, was es gebracht hat, warum es abgeschafft wurde

Das Non-Habitual Resident-Regime (kurz NHR) war seit 2009 einer der attraktivsten Steueranreize für Auswanderer weltweit. Wer als Neu-Steuerresidenter in Portugal anerkannt wurde, zahlte auf bestimmte Einkünfte - darunter Freiberuflereinkommen aus "hochqualifizierten Tätigkeiten" - für zehn Jahre einen Pauschalsteuersatz von 20%. Ausländische Renten, Dividenden und Kapitalerträge waren in vielen Fällen komplett steuerfrei.

Das hat Portugal in den 2010er- und frühen 2020er-Jahren zu einem Magneten für digitale Nomaden, Rentner, und Freiberufler gemacht. Lissabon wurde zur Startup-Hauptstadt Südeuropas. Die Kehrseite: Die Mieten in der Stadt explodierten, lokale Bevölkerung wurde verdrängt, und der politische Druck auf die Regierung wuchs massiv.

Ende 2023 kündigte die portugiesische Regierung dann an, das NHR-Regime zum 31. Dezember 2024 zu beenden. Wer bis zum 31. Dezember 2024 seinen NHR-Status erhalten hatte, ist vollständig geschützt - die Vorteile laufen bis zum Ende der 10-Jahres-Frist weiter. Für alle, die danach kommen, gilt das neue Regime.

IFICI (NHR 2.0) seit 2025: Was es ist - und für wen es tatsächlich gilt

Ab dem 1. Januar 2025 gibt es das IFICI-Regime (Incentivo Fiscal à Investigação Científica e Inovação, also Steuerlicher Anreiz für Wissenschaftliche Forschung und Innovation). Der Name sagt eigentlich schon alles.

IFICI bietet qualifizierten Personen einen Pauschalsteuersatz von 20% auf portugiesische Einkünfte aus Arbeit oder selbstständiger Tätigkeit. Dazu kommt eine Steuerbefreiung auf bestimmte ausländische Einkommensarten (Dividenden, Zinsen, Kapitalgewinne, Mieteinnahmen aus dem Ausland). Die Antragsfrist ist der 15. Januar des Jahres nach dem Jahr, in dem du portugiesische Steuerresidenz erlangt hast. Wer die Frist verpasst, verliert den Anspruch für das gesamte Jahr.

Klingt gut? Stimmt, aber der entscheidende Unterschied liegt in der Frage, wer überhaupt qualifiziert.

Die wichtigste Botschaft: Kein allgemeiner 10%-Pauschalsteuersatz mehr für alle Auswanderer

Unter dem alten NHR war die Liste der "hochqualifizierten Tätigkeiten" breit genug, dass UX-Designer, Marketingberater, Texter, Architekten und viele andere Freelancer problemlos reingepasst haben. Der Steuersatz war 20%.

IFICI ist schärfer eingegrenzt. Die Zielgruppe sind explizit Forscher, Wissenschaftler, und Fachkräfte in strategischen Innovationsbranchen - und die Anforderungen sind konkreter. Kein pauschaler Anreiz für alle Hochverdiener mehr, die Sonne und Weinqualität schätzen.

Was IFICI wirklich ist - und warum die meisten deutschen Freelancer es nicht bekommen

Die Zielgruppe: IT, Forschung, Innovationsbranchen - mit Nachweis Bachelor-Abschluss (EQF 6) oder höher

Um IFICI zu beantragen, musst du eine Qualifikation auf EQF-Level 6 oder höher vorweisen - das entspricht einem Bachelor-Abschluss. Dazu kommen drei Jahre nachgewiesene Berufserfahrung in einem der förderfähigen Bereiche.

Förderfähig sind unter anderem: IT und Kommunikationstechnologie, Ingenieurwesen und Fertigung, Life Sciences und Medizin, Erneuerbare Energien und grüne Technologien, sowie wissenschaftliche Forschung. Ein UX-Designer mit zehn Jahren Berufserfahrung und einem Bachelor in Kommunikationsdesign? Wahrscheinlich nein. Ein Software-Entwickler mit Bachelor in Informatik, der für eine portugiesische Tech-Gesellschaft entwickelt? Möglicherweise ja.

Das entscheidende Problem: Servicevertrag mit portugiesischer Gesellschaft oder qualifizierender Arbeitgeber nötig

Hier liegt der Kern-Unterschied, den viele deutsche Auswanderer-Artikel übersehen. IFICI fordert nicht nur die richtige Qualifikation, sondern auch die richtige Art der Einkommensquelle.

Die Bedingung ist eine der folgenden: Festanstellung oder Contractor-Vertrag mit einem in Portugal registrierten Unternehmen, das in einem der förderfähigen Sektoren tätig ist. Oder eine anerkannte Forschungs- oder Lehrtätigkeit an einer portugiesischen Institution.

Wer als Freelancer von Portugal aus für deutsche oder andere ausländische Kunden arbeitet, und keinen direkten Vertrag mit einer portugiesischen Gesellschaft hat, erfüllt diese Bedingung in den meisten Fällen nicht.

Warum Freelancer für ausländische Kunden meist nicht qualifizieren - die ehrliche Einschätzung

Das ist der Punkt, an dem ich mir wünsche, mehr deutsche Inhalte wären ehrlicher. IFICI ist primär dafür gedacht, Fachkräfte und Forschende nach Portugal zu holen, die dort auch wirtschaftlich eingebunden sind - nicht für ortsunabhängige Freelancer, die zufällig von Lissabon aus arbeiten.

Wenn du als selbstständiger IT-Entwickler, Designer, Berater oder Content Creator für deutsche Kunden arbeitest, und dabei keinen Vertrag mit einer portugiesischen Gesellschaft hast, wirst du IFICI wahrscheinlich nicht beantragen können. Das ist keine pessimistische Einschätzung, das ist die aktuelle Rechtslage.

Perspektiveausland.com, eine der verlässlichsten deutschen Quellen für Auswanderer-Steuerrecht, formuliert das klar: Die Zielgruppe von IFICI ist erheblich enger als die des alten NHR. Viele, die unter NHR qualifiziert hätten, qualifizieren unter IFICI nicht mehr.

Case Study: IT-Consultant mit deutschem Kunden vs. portugiesischer Gesellschaft

Szenario A: Michael ist freier Software-Entwickler, wohnt seit Januar 2026 in Porto, hat portugiesische Steuerresidenz, Bachelor in Informatik, 8 Jahre Erfahrung. Er arbeitet für zwei deutsche Unternehmen auf Basis von Rahmenverträgen. Sein gesamtes Einkommen kommt aus Deutschland. Er hat keinen Vertrag mit einer portugiesischen Gesellschaft. Ergebnis: IFICI-Antrag sehr wahrscheinlich nicht erfolgreich. Michael zahlt in Portugal progressive Einkommensteuer auf sein Welteinkommen.

Szenario B: Same Michael, aber er hat zusätzlich einen Contractor-Vertrag mit einer portugiesischen Softwaregesellschaft, für die er 20 Stunden pro Monat entwickelt. Dieser Vertrag schafft die portugiesische Wirtschaftsverbindung. Ergebnis: IFICI möglicherweise beantragbar - aber er sollte das mit einem portugiesischen Steuerberater prüfen, nicht mit einem Blogbeitrag.

Der Unterschied zwischen den beiden Szenarien ist erheblich, und er hängt oft an Details, die nur ein lokaler Steuerberater beurteilen kann.

Was du TROTZDEM als Selbstständiger in Portugal bekommst (auch ohne IFICI)

Jetzt kommt die gute Nachricht. Auch ohne IFICI gibt es als frisch in Portugal selbstständig tätiger Freelancer echte steuerliche Vorteile im ersten Jahr - sie sind nur weniger dramatisch als die IFICI-Headlines suggerieren.

12 Monate Sozialversicherungsbefreiung im ersten Jahr (Recibos Verdes)

Wer sich in Portugal als Selbstständiger (unter dem sogenannten Recibos Verdes-System) anmeldet, zahlt im ersten Jahr keine Sozialversicherungsbeiträge. Die normale Rate liegt bei rund 21,4% des Einkommens - das ist kein kleiner Betrag. Für das erste Jahr fällt er komplett weg.

50% Einkommensteuerreduktion im ersten Steuerjahr

In ihrem ersten Steuerjahr als Selbstständige können neue Recibos Verdes-Nutzer eine Reduktion der Bemessungsgrundlage um 50% geltend machen. Das bedeutet: Wenn du in deinem ersten Jahr 60.000 Euro verdienst, wird Einkommensteuer nur auf 30.000 Euro berechnet. Das ist ein relevanter Vorteil, auch wenn er nur für das erste Jahr gilt.

USt-Befreiung bei unter 15.000 EUR Jahresumsatz

Wer als Freelancer unter 15.000 Euro Jahresumsatz bleibt, ist nach Artikel 53 des portugiesischen Umsatzsteuergesetzes von der Mehrwertsteuer befreit. Für Einsteiger oder für jemanden, der Portugal als Teiljahr-Basis nutzt, kann das relevant sein.

Progressive Steuersätze 13-48%: Was das für Einkommen über 50.000 EUR bedeutet

Ohne IFICI gelten die normalen portugiesischen Einkommensteuersätze. Die starten bei 13% (auf die ersten rund 7.703 Euro) und steigen progressiv auf 48% für Einkommen über 80.000 Euro. Das Zwischensegment bei 50.000-80.000 Euro liegt bei rund 45%.

Das ist nicht günstig. Deutschland hat zwar auch 42% ab ca. 63.000 Euro, aber Portugal bietet ohne IFICI keine signifikante Steuerersparnis für gut verdienende Freelancer mehr. Den Soli-Vorteil (der in Deutschland für mittlere Einkommen ohnehin kaum noch anfällt) rechnet man schnell wieder rein.

Für jemanden mit 80.000 Euro Jahreseinkommen als Freelancer: Portugal ist ohne IFICI steuerlich kein Wundermittel. Und mit IFICI kommt es auf die Struktur an.

Aufenthaltsrecht für deutsche Freelancer - was gilt wirklich?

EU-Freizügigkeit: Deutsche brauchen kein Visum, keine Einkommensgrenze, keine Genehmigung

Das ist tatsächlich unkompliziert. Als deutsche Staatsangehörige haben wir das Recht, uns in jedem EU-Mitgliedstaat niederzulassen. Portugal ist Portugal - du kannst einfach hinziehen. Kein Visum, keine Einkommensgrenze, keine Vorabgenehmigung. Die ersten drei Monate kannst du mit deinem deutschen Personalausweis oder Reisepass dort leben.

Nach 3 Monaten: Certificado de Registo beantragen - wie das funktioniert

Wenn du länger als drei Monate bleibst, bist du verpflichtet, dich als EU-Bürger zu registrieren. Das geht über den CRUE (Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia). Du beantragst ihn bei der lokalen Gemeindeverwaltung (Câmara Municipal) oder in einem Bürgerservicezentrum (Loja do Cidadão).

Was du brauchst: Reisepass oder Personalausweis, portugiesische Steuernummer (NIF - die bekommst du beim Finanzamt, auf Portugiesisch "Finanças"), Wohnungsnachweis in Portugal, und einen Nachweis, dass du entweder arbeitest, selbstständig bist, oder ausreichende Mittel hast. Die Gebühr liegt bei 16 Euro für Erwachsene. Das CRUE ist fünf Jahre gültig.

Für internationale Überweisungen zwischen deinem deutschen und deinem neuen portugiesischen Konto nutze ich [Wise][WISE_AFFILIATE_LINK]. Die Wechselkursgebühren sind deutlich niedriger als bei klassischen Banken, und du kannst ein lokales IBAN für Portugal direkt in der App erstellen - ohne portugiesische Bank aufsuchen zu müssen. Das macht die Übergangsphase erheblich einfacher.

Als Selbstständiger in Portugal anmelden: Recibos Verdes erklärt Schritt für Schritt

"Recibos Verdes" (grüne Quittungen) ist das portugiesische System für Selbstständige - vergleichbar mit dem deutschen Freelancer-Status oder dem britischen Sole Trader. Der Name kommt von den früher buchstäblich grünen Papierformularen, heute läuft alles digital über das Portal das Finanças.

So funktioniert die Anmeldung:

  1. Portugiesische Steuernummer (NIF) beantragen - das geht beim Finanzamt oder über einen Steuerberater
  2. Im Portal das Finanças als Selbstständiger registrieren (Início de Actividade)
  3. CAE-Code (Berufsklassifizierung) wählen - das ist der portugiesische Branchencode für deine Tätigkeit
  4. Ab dann kannst du Recibos Verdes ausstellen - das sind die offiziellen Quittungen, die du für jede Zahlung an Kunden ausstellen musst

Für die ersten Monate ohne lokales Netzwerk und mit der Sprachbarriere: Ein Steuerberater für 100-200 Euro für die Erstberatung ist gut investiertes Geld. perspektiveausland.com hat dazu einen guten, detaillierten Artikel für deutschsprachige Auswanderer.

Das D8 Visum (Digital Nomad Visa): Für wen es relevant ist - und für wen nicht

Kurze Antwort: Als Deutsche brauchst du das D8 Visum nicht. Das D8 existiert für Nicht-EU-Bürger (zum Beispiel Amerikaner, Kanadier, Australier), die als Remote Worker nach Portugal einreisen wollen. EU-Bürger haben durch die Freizügigkeit bereits mehr Rechte als das D8 bieten würde. Wenn du also einen deutschen Pass hast, kannst du diesen Abschnitt für dich selbst ignorieren - aber falls du irgendwo in diesem Kontext das D8 erwähnt findest, gilt es für dich nicht.

Steuerpflicht: Wann Deutschland, wann Portugal, wann beide?

Das ist der Kern der Frage für alle, die nicht komplett auswandern, sondern vielleicht 5-8 Monate in Portugal leben wollen.

Die 183-Tage-Regel: Unter 183 Tagen - deutsche Steuerpflicht bleibt bestehen

Wenn du weniger als 183 Tage im Kalenderjahr in Portugal bist, wirst du dort nicht steuerlich ansässig. Das bedeutet: Du bleibst in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Alle Einkünfte, die du als Freelancer erzielst, werden in Deutschland versteuert - unabhängig davon, wo du beim Arbeiten bist. Das ist wichtig zu verstehen: Portugal als "Workation-Land für drei Monate" ändert nichts an deiner deutschen Steuerpflicht. Mehr dazu in meinem Artikel über Steuern für digitale Nomaden in Deutschland.

DBA Deutschland-Portugal seit 1980: Was es regelt und was es nicht regelt

Deutschland und Portugal haben seit 1980 ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Das DBA verhindert, dass du auf dasselbe Einkommen in beiden Ländern Steuern zahlst. Wenn du in Portugal steuerlich ansässig bist und dort als Selbstständiger tätig bist, besteuert Portugal dein Einkommen. Deutschland hat dann in der Regel kein Besteuerungsrecht mehr.

Was das DBA nicht verhindert: Dass du bis zur vollständigen Loslösung von Deutschland dort steuerpflichtig bleibst. Die bloße Anwesenheit in Portugal schützt dich nicht vor deutschen Steueransprüchen, solange du noch deinen Wohnsitz in Deutschland hast.

Abmeldung in Deutschland: Was nötig ist, damit die unbeschränkte Steuerpflicht endet

Damit die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland endet, musst du deinen inländischen Wohnsitz vollständig aufgeben. Das bedeutet: Abmeldung beim Einwohnermeldeamt (§17 Bundesmeldegesetz), und du darfst keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne von §8/§9 AO in Deutschland mehr haben.

Das klingt einfacher als es ist. Wer noch in der elterlichen Wohnung ein Zimmer behält, wer noch eine eigene Wohnung in Deutschland hat, wer sich öfter als es dem "Gast-Status" entspricht in Deutschland aufhält - der riskiert, dass das Finanzamt die unbeschränkte Steuerpflicht weiterhin bejaht. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Abmeldeprozess findest du in meinem Artikel zur Abmeldung aus Deutschland als Freelancer.

Wegzugsteuer: Was Freelancer mit GmbH-Anteilen oder Aktiengewinnen vorher prüfen müssen

Für Freelancer ohne Kapitalgesellschaft ist die Wegzugsteuer in den meisten Fällen kein Thema. Wer aber GmbH-Anteile hält (mindestens 1% nach §6 AStG), und ins Ausland zieht, löst eine fiktive Veräußerungsbesteuerung aus - die Steuerbehörde so behandelt es, als hättest du deine Anteile zum Verkehrswert verkauft, auch wenn du das gar nicht getan hast.

Für EU-Länder wie Portugal gibt es Stundungsoptionen - die Steuer muss nicht sofort bezahlt werden. Trotzdem: Wenn du eine GmbH oder UG hast, oder Aktiengewinne durch günstige Anschaffungskosten vor dir her schiebst, lies zuerst meinen Artikel zur Wegzugsteuer für Gründer 2026. Das ist kein Thema, das du mit Blogrecherche allein klären solltest.

Was es realistisch kostet - Leben in Lissabon, Porto und den Alternativen

Ich höre oft "in Portugal ist es so viel günstiger als in Deutschland." Das stimmt - aber die Entwicklung der letzten fünf Jahre hat das relativiert, besonders in Lissabon und Porto.

Lissabon und Porto: Mieten gestiegen, aber immer noch 25-30% unter deutschen Großstädten

Eine 1-Zimmer-Wohnung in zentraler Lage in Lissabon kostet 2026 zwischen 1.200 und 1.800 Euro im Monat. Porto ist etwas günstiger - eine vergleichbare Wohnung liegt oft bei 850 bis 1.100 Euro. Zum Vergleich: München, Hamburg oder Frankfurt bewegen sich in ähnlichen Lagen bei 1.500 bis 2.500 Euro. Der Vorteil ist also noch da, aber klein geworden.

Was günstiger bleibt: Essen gehen, öffentlicher Nahverkehr (Monatskarte Lissabon rund 40 Euro), Lebensmittel im Supermarkt. Wer in Lissabon lebt und nicht viel kocht, kann trotzdem günstiger leben als in München.

Setúbal, Viseu, Évora: Günstigere Alternativen mit besserer Lebensqualität für Solo-Operator

Für Freelancer, die nicht täglich in einem Lissaboner Co-Working-Space sein müssen, gibt es deutlich günstigere Optionen. Setúbal liegt 48 Autominuten von Lissabon entfernt, die Mieten sind rund 35% günstiger. Die Stadt liegt direkt am Naturpark Arrábida, der zu den schönsten Küstenregionen Portugals gehört.

Viseu im Zentrum Portugals ist einer der am häufigsten unterschätzten Orte im Land. Die Lebensqualität ist hoch, die Kriminalität niedrig, und die Mieten liegen rund 56% unter Lissabon-Niveau. Eine 1-Zimmer-Wohnung in guter Lage für 500-650 Euro ist realistisch. Évora im Alentejo ist ähnlich - rund 47% unter Lissabon, Weltkulturerbe-Stadtbild, entspannte Atmosphäre.

Gesamtbudget für mittleren Standard: Was 1.500-2.200 EUR/Monat in Portugal ermöglichen

Eine realistische Budgetübersicht für Lissabon/Porto:

KategorieLissabonPortoÉvora/Viseu
Miete (1 Zimmer, zentral)1.200-1.600 €850-1.100 €500-700 €
Lebensmittel250-350 €230-300 €200-250 €
Transport40-60 €35-50 €30-40 €
Internet, Handy30-50 €30-50 €30-40 €
Freizeit, Restaurants200-400 €150-300 €100-200 €
Gesamt1.720-2.460 €1.295-1.800 €860-1.230 €

Krankenversicherung kommt noch dazu. Wer aus der deutschen GKV austritt, hat eine Lücke bis zur Aufnahme in das portugiesische Gesundheitssystem. In dieser Zeit ist [SafetyWing][SAFETYWING_AFFILIATE_LINK] eine sinnvolle Überbrückungsoption - günstiger als ADAC-Auslandskrankenschutz und speziell für Langzeitaufenthalte konzipiert.

Für wen Portugal 2026 trotzdem Sinn macht

Wenn du EU-weit flexibel sein willst und nicht auswanderst, sondern nur mehrere Monate/Jahr dort lebst

Für Workations, Winterflucht oder das klassische "3-6 Monate im Süden"-Modell ist Portugal nach wie vor einer der besten Orte in der EU. Gutes Wetter, englischfreundlich, europäische Infrastruktur, relativ sicher. Du änderst nichts an deiner deutschen Steuerpflicht (unter 183 Tagen), aber du arbeitest in einem angenehmeren Klima. Das braucht keine steuerliche Begründung - es ist einfach eine gute Entscheidung für das Wohlbefinden. Wer Madeira als Alternative in Betracht zieht, sollte meinen Artikel zur Workation auf Madeira lesen.

Wenn du tatsächlich als IT-Contractor mit portugiesischer Gesellschaft arbeiten willst - dann greift IFICI

Falls du in der IT tätig bist, einen Bachelor-Abschluss hast, und bereit wärst, dir einen Vertrag mit einer portugiesischen Tech-Gesellschaft aufzubauen - dann ist IFICI eine interessante Option. Der 20%-Steuersatz auf 10 Jahre ist bei einem Einkommen von 80.000-150.000 Euro ein erheblicher Unterschied zur progressiven Steuer.

Aber das erfordert Planung: Die richtige Unternehmensstruktur, den richtigen Vertrag, und einen Steuerberater, der sowohl deutsches als auch portugiesisches Recht kennt. An der Network School kenne ich Leute, die genau das durchgeplant haben - aber keiner von ihnen hat das mal eben im Vorbeigehen entschieden. Das war ein Projekt über Monate.

Wenn du Renteneinnahmen oder passive Einnahmen hast: Die Steuersituation ist günstiger als für aktive Freelancer

Portugal bleibt für Personen mit passiven Einkünften - Dividenden, Mieteinnahmen aus dem Ausland, Zinsen - auch ohne IFICI steuerlich interessant. Ausländische passive Einkünfte können unter bestimmten Umständen in Portugal niedriger besteuert werden als aktive Freelancer-Einkünfte. Für Freiberufler, die nebenbei gut investiert haben oder teilweise von Kapitalerträgen leben, lohnt sich eine detaillierte Beratung.

Renteneinnahmen aus Deutschland, die in Portugal versteuert werden, sind ein eigenes Kapitel - das DBA regelt das separat, und die Besteuerungsrechte hängen von der Art der Rente ab.


An der Network School treffe ich regelmäßig Menschen, die "Portugal wegen der Steuer" auf der Liste haben. Die ehrlichste Zusammenfassung, die ich ihnen geben kann: Das Steuerargument ist nach dem NHR-Ende erheblich schwächer geworden. Portugal ist immer noch ein toller Ort zum Leben und Arbeiten - aber wegen des Wetters, der Lebensqualität, des Tempos der Stadt, und der Community, die sich dort aufgebaut hat. Nicht wegen IFICI.

Wer ernsthaft prüft auszuwandern und die Steuersituation korrekt abzuwickeln, sollte zuerst die Abmeldung aus Deutschland verstehen, die steuerliche Situation für digitale Nomaden in Deutschland kennen, und dann - mit einem Steuerberater, der beide Länder kennt - die konkrete Situation bewerten. Bewirb dich hier für Network School, wenn du mit Leuten in Kontakt kommen willst, die diesen Schritt bereits gegangen sind.


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