Österreich. Gleiche Sprache, EU-Mitglied, zwei Stunden mit dem Zug von München. Für viele deutsche Freelancer klingt das nach dem entspanntesten Auswanderschritt überhaupt - kein Visumstress, keine Sprachbarriere, kein Kulturschock.
Stimmt auch. Bis zum ersten Brief von der SVS.
Die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen ist das österreichische Äquivalent zu dem, was in Deutschland GKV, DRV und BG zusammen machen. Und sie funktioniert komplett anders als alles, was deutsche Freelancer kennen. Wer das übersieht, erlebt im dritten oder vierten Jahr seiner österreichischen Selbstständigkeit eine Nachzahlung, die sich anfühlt wie eine zweite Steuererklärung.
Ich habe mir die Zahlen für 2026 angeschaut. Hier ist die ehrliche Rechnung.
Warum Österreich für deutsche Freelancer attraktiv ist - aber kein Steuerparadies
Lass mich eine Erwartung direkt zurechtücken: Österreich ist kein Dubai. Keine 0%-Steuer, kein Steuern-auf-Null-Trick. Das Steuerniveau ist mit Deutschland vergleichbar - in manchen Konstellationen leicht besser, in anderen minimal schlechter. Der echte Vorteil liegt woanders: kein Visum, keine Sprachbarriere, volle EU-Freizügigkeit, und die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach §2 AStG greift bei Österreich nicht. Mehr dazu weiter unten.
Grundfreibetrag 2026: 13.539 EUR vs. 12.348 EUR
Der österreichische Einkommensteuer-Grundfreibetrag liegt 2026 bei 13.539 EUR. In Deutschland sind es 12.348 EUR. Keine dramatische Differenz, aber ein kleiner Vorteil fürs Nachbarland. Österreich passt die Steuerstufen seit 2023 automatisch zu zwei Dritteln an die Inflation an - dadurch steigen die Grenzen jedes Jahr leicht.
Einkommensteuersätze 2026: Der Vergleich
| Einkommensstufe (Österreich) | Satz AT | Vergleichbare Stufe (Deutschland) | Satz DE |
|---|---|---|---|
| bis 13.539 EUR | 0% | bis 12.348 EUR | 0% |
| 13.539 - 21.992 EUR | 20% | darüber steigend | 14-24% |
| 21.992 - 36.458 EUR | 30% | 25.132 - 58.596 EUR | 24-42% |
| 36.458 - 70.365 EUR | 40% | 58.597 - 277.825 EUR | 42% |
| 70.365 - 104.859 EUR | 48% | ||
| 104.859 - 1.000.000 EUR | 50% | über 277.825 EUR | 45% |
Bis etwa 60.000 EUR Einkommen ist Österreich tendenziell günstiger. Ab etwa 105.000 EUR kippt es: Deutschland hat 45% Spitzensteuersatz, Österreich 50%. Für die meisten Freelancer im mittleren Bereich - sagen wir 40.000 bis 80.000 EUR Jahresgewinn - macht der reine Einkommensteuersatz kaum den Unterschied.
Was Österreich einzigartig macht: der Gewinnfreibetrag. 15% des Gewinns bis 33.000 EUR kannst du automatisch und ohne Investition als Freibetrag abziehen. Das sind bis zu 4.950 EUR weniger Steuerbemessungsgrundlage - und das kostenlos, ohne Wertpapiere kaufen zu müssen. Deutschland kennt diesen Mechanismus für Freiberufler nicht.
Was "Neuer Selbstständiger" in Österreich bedeutet
Österreich unterscheidet zwischen Gewerbetreibenden (brauchen Gewerbeschein + WKO-Mitgliedschaft) und "Neuen Selbstständigen". Letztere brauchen kein Gewerbe, keinen Befähigungsnachweis und zahlen keine Kammerpflichtbeiträge.
Als Neuer Selbstständiger qualifizieren sich: UX-Designer, Entwickler, Texter, Grafiker, Trainer, Coaches, Übersetzer, Social-Media-Manager - also fast alles, was Wissens- und Kreativarbeit ist. Du meldest dich beim Finanzamt und bei der SVS an, und das war's organisatorisch. Der Einstieg ist deutlich unkomplizierter als in Deutschland, wo die Frage Freiberufler vs. Gewerbetreibender oft schon für Kopfschmerzen sorgt.
Die SVS: Österreichs Sozialversicherung für Selbstständige erklärt
Hier wird es wichtig. Sehr wichtig.
Was ist die SVS und was deckt sie ab?
Die SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) bündelt in einem einzigen System, was in Deutschland auf mehrere Stellen verteilt ist:
- Krankenversicherung (Arztbesuche, Krankenhaus Allgemeinstation, Medikamente)
- Pensionsversicherung (Altersrente, Invaliditätspension, Hinterbliebene)
- Unfallversicherung - hier ein Österreich-Bonus: deckt auch Freizeitunfälle ab, nicht nur Berufsunfälle
- Selbständigenvorsorge (betriebliche Altersvorsorge, ähnlich einer Abfertigung)
Was die SVS nicht abdeckt: keine Arbeitslosenversicherung (gibt es für Selbstständige in Österreich nicht, wie auch in Deutschland), und das Krankengeld bei längerer Krankheit ist eingeschränkter als bei der deutschen GKV.
Ein wichtiger Unterschied: Die EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte) gilt in Österreich, weil es EU ist. Du brauchst keine extra Auslandskrankenversicherung für den österreichischen Alltag.
Der Beitragssatz: 26,83% auf das Betriebsergebnis
| Versicherungszweig | Satz |
|---|---|
| Pensionsversicherung | 18,50% |
| Krankenversicherung | 6,80% |
| Selbständigenvorsorge (BV-Kasse) | 1,53% |
| Summe Prozentsatz | 26,83% |
| Unfallversicherung | fix 155,40 EUR/Jahr |
26,83% klingt erstmal hoch. Aber vergiss nicht: Das ist alles in einem. Rente, Kranken- und Pflegeversicherung in einer Zahl. Wer in Deutschland als Freiberufler GKV zahlt und zusätzlich freiwillig in die Deutsche Rentenversicherung einzahlt, landet bei deutlich über 30%.
Was das bei konkreten Gewinnen bedeutet:
- 40.000 EUR Gewinn: SVS-Beitrag ca. 10.787 EUR + 155,40 EUR UV = ca. 10.943 EUR
- 60.000 EUR Gewinn: SVS-Beitrag ca. 16.343 EUR + 155,40 EUR UV = ca. 16.498 EUR
- 80.000 EUR Gewinn: SVS-Beitrag ca. 21.499 EUR + 155,40 EUR UV = ca. 21.654 EUR
Die Basis für die Berechnung ist das Betriebsergebnis - also Einnahmen minus Betriebsausgaben. Die SVS-Beiträge selbst sind wiederum als Betriebsausgabe absetzbar, was die Einkommensteuer etwas senkt.
Mindestbeitrag 2026: Gut für den Einstieg
Der Mindestbeitrag liegt 2026 bei etwa 160,80 EUR pro Monat (1.929,60 EUR im Jahr). Das entspricht einer Mindest-Beitragsgrundlage von 551,10 EUR/Monat. Für Freelancer, die sich in Österreich neu aufstellen oder anfangs wenig verdienen, ist das ein entspannter Einstieg.
Besonderheit für die ersten zwei Kalenderjahre: Gründerbegünstigung. Der Krankenversicherungsbeitrag ist in dieser Zeit auf etwa 37,48 EUR pro Monat reduziert - unabhängig vom tatsächlichen Einkommen. Das erleichtert den Start merklich.
Das Nachzahlungsrisiko: Die Überraschung im vierten Jahr
Das ist der Punkt, den die meisten nicht auf dem Schirm haben. Das SVS-System arbeitet mit vorläufigen Beiträgen auf Basis des Einkommensteuerbescheids aus dem drittvorangegangenen Jahr. In der Praxis bedeutet das:
Jahr 1-3 in Österreich: Du zahlst auf Mindestbasis. 160,80 EUR pro Monat. Fühlt sich günstig an.
Jahr 4: Das Finanzamt hat deinen Bescheid verarbeitet, die SVS rechnet rückwirkend ab. Wenn du in Jahr 1 tatsächlich 60.000 EUR verdient hast, ist dein Sollbeitrag für dieses Jahr rund 16.498 EUR gewesen. Bezahlt hast du 1.929,60 EUR. Die Differenz - etwa 14.568 EUR - kommt als Nachzahlung, oft zusammen mit den laufenden Beiträgen.
Das ist kein Einzelfall. Das ist systemisch.
Meine Empfehlung: Von Anfang an 28-30% des monatlichen Bruttogewinns zurücklegen - für Einkommensteuer und SVS kombiniert. Alternativ kannst du bei der SVS freiwillig eine höhere Beitragsgrundlage angeben, um die Nachzahlung zu glätten. Sprich das unbedingt mit einem österreichischen Steuerberater durch.
Österreich vs. Deutschland: Die ehrliche Steuer-Gegenrechnung
Jetzt wird es konkret. Ich habe die Zahlen für zwei typische Freelancer-Einkommen durchgerechnet.
Bei 40.000 EUR Gewinn: Wer zahlt mehr?
Österreich:
- SVS: ca. 10.943 EUR
- Gewinnfreibetrag (15% automatisch): 4.950 EUR
- Steuerbemessungsgrundlage: 40.000 - 10.943 - 4.950 = 24.107 EUR
- Einkommensteuer auf 24.107 EUR: ca. 2.332 EUR
- Gesamtbelastung: ca. 13.275 EUR (33,2% effektiv)
- Netto: ca. 26.725 EUR
Deutschland (Freiberufler, nur GKV + PV, ohne DRV):
- GKV + PV freiwillig: ca. 6.400 EUR (ungefähr)
- Einkommensteuer: ca. 6.400 EUR
- Gesamtbelastung: ca. 12.800 EUR (32,0% effektiv)
- Netto: ca. 27.200 EUR
Deutschland (Freiberufler, GKV + PV + freiwillige DRV mit vollem Beitrag):
- GKV + PV: ca. 6.400 EUR + DRV: ca. 7.440 EUR = 13.840 EUR SV
- Einkommensteuer: ca. 4.700 EUR
- Gesamtbelastung: ca. 18.540 EUR (46,4% effektiv)
- Netto: ca. 21.460 EUR
Fazit bei 40k: Österreich und Deutschland ohne DRV sind nahezu gleich auf. Der entscheidende Unterschied: In Österreich ist die volle Rentenversicherung (18,5%) bereits in den 26,83% enthalten. Wer in Deutschland auf vergleichbare Altersvorsorge achtet und DRV zahlt, zahlt deutlich mehr.
Bei 70.000 EUR Gewinn: Der Wendepunkt?
Österreich:
- SVS: ca. 18.936 EUR + 155,40 EUR UV = ca. 19.091 EUR
- Gewinnfreibetrag: 4.950 EUR
- Steuerbemessungsgrundlage: 70.000 - 19.091 - 4.950 = 45.959 EUR
- Einkommensteuer auf 45.959 EUR: ca. 9.744 EUR
- Gesamtbelastung: ca. 28.835 EUR (41,2% effektiv)
- Netto: ca. 41.165 EUR
Deutschland (Freiberufler, GKV + PV, ohne DRV):
- GKV + PV: ca. 13.384 EUR (nahe Beitragsbemessungsgrenze)
- Einkommensteuer: ca. 15.500 EUR
- Gesamtbelastung: ca. 28.884 EUR (41,3% effektiv)
- Netto: ca. 41.116 EUR
Bei 70.000 EUR Gewinn sind Österreich und Deutschland praktisch identisch belastet - wenn man in Deutschland keine DRV zahlt. Mit DRV sieht es für Österreich besser aus. Die AT-SVS enthält eben schon die Rente.
Was die SVS-Struktur für Remote Worker wirklich bedeutet
Österreich ist kein Steuerparadies - das ist die ehrliche Botschaft. Wer aus Deutschland auswandert und hofft, mit Österreich deutlich weniger zu zahlen, wird enttäuscht sein. Der Vorteil liegt eher in der Lebensqualität, der EU-Rechtssicherheit, dem kulturellen Fit, und dem entscheidenden steuerrechtlichen Bonus, der weiter unten kommt: §2 AStG greift nicht.
Wer dagegen in Deutschland bisher keine oder wenig DRV eingezahlt hat und sich fragt, wie er eine ordentliche Altersvorsorge aufbaut: Die österreichische SVS-Pension ist staatlich und obligatorisch. Das ist ein echter Vorteil für manche.
Wie du als Deutscher in Österreich selbstständig wirst
Schritt 1: Wohnsitzanmeldung - das Fundament
Ohne Anmeldung läuft gar nichts. Innerhalb von drei Tagen nach Einzug musst du einen Meldezettel beim zuständigen Meldeamt einreichen. Du brauchst: Reisepass und einen ausgefüllten Meldezettel mit Unterschrift des Wohnungsgebers (Vermieter).
Kostenlos. Kein Visum nötig - EU-Freizügigkeit. Der Meldezettel ist dann die Grundlage für alles Weitere: Bankkonto, FinanzOnline-Zugang, SVS-Anmeldung.
Schritt 2: Anmeldung beim Finanzamt über FinanzOnline
Für die Steuernummer füllst du das Formular "Verf24" aus - entweder online über FinanzOnline oder per Post. Der FinanzOnline-Zugang selbst setzt die ID-Austria voraus (das österreichische digitale Identitätssystem, ähnlich der deutschen BundID).
Die Steuernummer kommt ca. 2-4 Wochen nach Antrag per Post. Ab dann kannst du österreichische Rechnungen korrekt stellen und FinanzOnline für Steuererklärungen nutzen.
Schritt 3: SVS-Anmeldung innerhalb eines Monats
Innerhalb von einem Monat nach Beginn deiner selbstständigen Tätigkeit musst du dich bei der SVS anmelden. Online über das SVS-Portal (mit ID-Austria) oder als Papierformular.
Bei der Anmeldung gibst du dein voraussichtliches Jahreseinkommen an - das bestimmt die vorläufige Beitragsgrundlage. Wenn du weißt, dass du deutlich über der Mindestbasis verdienen wirst, gib das freiwillig an. Das vermeidet die Nachzahlungsüberraschung in Jahr vier.
Schritt 4: Die Kleinunternehmerregelung - aktueller Stand 2026
Wichtig: Die österreichische Kleinunternehmergrenze für die Umsatzsteuer wurde 2025 auf 55.000 EUR Bruttoumsatz angehoben. Das bedeutet: Bis 55.000 EUR Jahresumsatz musst du keine Umsatzsteuer ausweisen, keine UVA machen und keine Umsatzsteuerjahreserklärung einreichen.
Das ist eine deutliche Vereinfachung für Freelancer in der Anfangsphase. Einmal im Jahr die Einkommensteuer, fertig. Nachteil der Kleinunternehmerregelung: kein Vorsteuerabzug. Wer viele Betriebsausgaben mit Mehrwertsteuer hat, sollte nachrechnen, ob sich der Verzicht auf die Regelung lohnt.
Zum Vergleich: Deutschland hat seine Grenze 2025 auf 100.000 EUR angehoben - deutlich großzügiger. Aber 55.000 EUR deckt trotzdem viele Freelancer-Einstiege ab.
DBA Deutschland-Österreich: Was bleibt, was endet
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Österreich gilt seit 2002. Es folgt dem Ansässigkeitsprinzip: Wer seinen Lebensmittelpunkt in Österreich hat, zahlt dort Steuern auf sein weltweites Einkommen.
Wann endet die deutsche Steuerpflicht wirklich?
Die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland endet erst, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Kein Wohnsitz mehr in Deutschland: Die Wohnung ist vollständig aufgegeben, du hast keine Verfügungsgewalt mehr über eine Unterkunft.
- Kein gewöhnlicher Aufenthalt: Keine regelmäßigen längeren Aufenthalte in Deutschland.
Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt allein beendet die deutsche Steuerpflicht nicht. Was beendet sie: die tatsächliche Aufgabe der Wohnung. Alles zur deutschen Abmeldung findest du im Detail in meinem Guide zur Abmeldung Deutschland als Freelancer.
Für das Jahr des Wegzugs zahlst du in Deutschland anteilig auf die Monate, in denen du noch wohnhaft warst. Ab dem Folgejahr: nur noch in Österreich.
§2 AStG - und warum er bei Österreich nicht greift
Das ist der entscheidende steuerrechtliche Vorteil von Österreich gegenüber Dubai, Panama oder Thailand: Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach §2 AStG gilt nicht.
§2 AStG trifft dich nur, wenn du in ein Niedrigsteuerland ziehst. Ein Niedrigsteuerland in diesem Sinne liegt vor, wenn das Steuerniveau im Zielland um mehr als ein Drittel unter dem deutschen liegt. Österreich ist das eindeutig nicht - die Steuerlast ist, wie die Rechnung oben zeigt, nahezu identisch.
Das bedeutet: Kein zehnjähriger Schatten der deutschen Steuerpflicht auf bestimmte Einkunftsarten. Keine Meldepflichten nach §2 AStG. Du brichst sauber mit dem deutschen Steuersystem, sobald du keinen Wohnsitz mehr hast.
Zum Vergleich: Bei Dubai musst du genau das beachten. Österreich ist die cleane Variante für alle, die EU-Rechtssicherheit wollen.
Wegzugsteuer: Wann sie relevant wird
Die Wegzugsteuer nach §6 AStG betrifft Anteile an Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) mit stille Reserven. Als reiner Freelancer ohne Gesellschaftsanteile bist du in der Regel nicht betroffen. Wer Anteile an einer deutschen oder internationalen Kapitalgesellschaft hält, sollte das vorher mit einem Steuerberater klären. Mehr dazu im Artikel zur Wegzugsteuer für Gründer.
Was bleibt steuerlich in Deutschland: Mieteinnahmen aus deutschen Immobilien, Dividenden aus deutschen Gesellschaften, und Einkommen für Arbeit, die physisch auf deutschem Boden geleistet wird. Remote-Arbeit für deutsche Kunden, physisch aus Österreich erbracht - das gehört nach Österreich.
Wien, Salzburg oder Graz - welche Stadt für Freelancer?
Wien: Das Zentrum, aber kein Schnäppchen
Wien ist die klare Wahl für Networking, Tech-Community und Coworking-Optionen. Allein der öffentliche Nahverkehr macht Wien attraktiv: Das Jahresticket kostet 365 EUR - ein Euro pro Tag für S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn im gesamten Großraum. Damit brauchst du kein Auto.
Mietpreise 2026: 850-1.000 EUR für eine 1-Zimmer-Wohnung, 1.200-1.800 EUR für zwei Zimmer. Coworking beginnt bei etwa 160-300 EUR pro Monat für einen Hot Desk.
Gesamtkosten pro Monat ohne Coworking: ca. 1.700-2.400 EUR.
Wien ist außerdem einer der stärksten Tech-Hubs in der DACH-Region. Einige Alumni der Network School landen nach ihrem Aufenthalt genau dort - bewirb dich hier und spar 25%, wenn du gerade überlegst, ob so ein Programm der richtige Einstieg wäre, bevor du den Schritt nach Österreich machst.
Graz: Der Geheimtipp
Graz ist die Universitätsstadt mit wachsender Tech-Community und 30% günstigeren Lebenshaltungskosten als Wien. 1-Zimmer-Wohnung: 550-700 EUR, Coworking ab 80-150 EUR pro Monat.
Gesamtkosten: ca. 1.300-1.900 EUR pro Monat. Das ist die günstigste der drei Städte, auch wenn Salzburg auf den ersten Blick kleiner wirkt.
Die Tech-Community in Graz wächst - Startups, viele Studenten der TU Graz, und die Stadt ist kompakter und entspannter als Wien. Für Freelancer, die gutes Internet und ein gutes Leben wollen, aber nicht das Stadtleben brauchen: Graz ist unterschätzt.
Vorarlberg und Tirol: Für Naturfans mit Kompromissen
Bregenz, Innsbruck, Kufstein - schöne Regionen, besonders wenn du Berge magst oder Ski fährst. Die Mieten in Innsbruck sind mittlerweile fast auf Wiener Niveau, bei deutlich weniger Jobangeboten vor Ort.
Für reine Remote-Freelancer ohne Networking-Anspruch: funktioniert. Für alle, die Kunden besuchen, Meetups nutzen oder Community suchen: eher Wien oder Graz.
Was du vor dem Umzug unbedingt klären solltest
Abmeldung in Deutschland: Die richtige Reihenfolge
Die Abmeldung beim deutschen Einwohnermeldeamt kannst du frühestens eine Woche vor dem Auszug vornehmen. Sie muss zeitlich wirklich mit der Aufgabe der Wohnung zusammenpassen - nicht vorher als taktisches Manöver.
GKV kündigen: Du hast ein Sonderkündigungsrecht bei Auswanderung. Informiere deine Krankenkasse rechtzeitig, da Fristen gelten. Danach übernimmt die österreichische SVS die Krankenversicherung.
Zur genauen Abmeldeprozedur schau in meinen ausführlichen Guide: Abmeldung Deutschland als Freelancer 2026.
Übergangszeit: Wann bist du in Österreich steuerpflichtig?
Du wirst in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig, sobald du deinen Wohnsitz dort hast (§ 1 österreichisches EStG). Für das Jahr des Zuzugs: Austria besteuert die Einkünfte ab dem Datum des österreichischen Wohnsitzes. Deutschland besteuert die Monate davor.
Das bedeutet: Im Übergangsjahr hast du zwei Steuererklärungen. Eine deutsche (bis zum Wegzugsdatum), eine österreichische (ab dem Zuzugsdatum). Das ist administrativ lösbar, aber du solltest beide Erklärungen im Griff haben.
Bankkonten: Wie das Übergangsmanagement klappt
In der Übergangsphase wirst du häufig noch Zahlungen auf dein deutsches Konto erhalten, während du schon in Österreich bist. Für internationale Überweisungen zwischen DACH-Konten und für Kunden, die in Fremdwährung zahlen, nutze ich [Wise][WISE_AFFILIATE_LINK]. Die Gebühren für SEPA-Überweisungen zwischen Deutschland und Österreich sind bei den meisten Banken eh frei, aber sobald UK-Kunden, US-Clients oder andere Währungen ins Spiel kommen, macht Wise den Unterschied. Und du bekommst IBANs für mehrere Länder in einem Konto.
Steuerberater Österreich: Hier fast Pflicht
Österreich hat ein anderes System als Deutschland. Die SVS-Nachzahlungslogik, der Gewinnfreibetrag, die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung nach österreichischem Schema - das unterscheidet sich in Details, die Geld kosten können wenn man sie falsch macht.
Mein ehrlicher Rat: Im ersten Jahr in Österreich einen Steuerberater beauftragen. Die Kosten (in der Regel 400-800 EUR für EÜR + ESt) amortisieren sich durch den korrekt geltend gemachten Gewinnfreibetrag oft schon im ersten Jahr.
Die Frage, ob sich ein Steuerberater lohnt, habe ich für Deutschland schon beleuchtet - für Österreich-Einsteiger lautet die Antwort: ja, zumindest im ersten Jahr.
Das Fazit: Für wen lohnt sich Österreich?
Österreich ist die richtige Wahl, wenn du:
- EU-Rechtssicherheit willst, ohne in einem Niedrigsteuerland zu landen
- Gleiche Sprache und ähnliche Kultur bevorzugst
- Kein Visum, keine komplizierte Ummeldung und keine Sprachkenntnisse aufbauen willst
- Bisher keine oder wenig gesetzliche Rente aufgebaut hast und das über die SVS nachholen möchtest
- Wien oder Graz als langfristigen Lebensmittelpunkt siehst
Österreich ist die falsche Wahl, wenn du:
- Eine drastische Steuerreduzierung erwartest (die gibt es hier nicht)
- Das SVS-System nicht ernst nimmst und keine Rücklage bildest
- Eigentlich eine Workation planst und kein echtes Leben in Österreich aufbauen willst
Das ist kein Steuerparadies - aber ein solides, unkompliziertes Zuhause für Freelancer, die Deutschland hinter sich lassen wollen, ohne steuerrechtlich in die Grauzone zu rutschen.
Zum Vergleich mit anderen Auswander-Zielen: Portugal hat einen Steuervorteil durch IFICI, aber nur für bestimmte Berufe mit Anstellungsvertrag. Österreich ist breiter anwendbar. Was Steuerpflicht in Deutschland nach dem Wegzug betrifft, lohnt sich ein Blick in den Artikel Steuern für digitale Nomaden in Deutschland.
Und wenn du vor dem Umzug noch unsicher bist, welche Community der richtige Einstieg in den ortsunabhängigen Lebensstil wäre: An der Network School habe ich erlebt, wie viele Menschen sich genau diese Fragen stellen - und wie viel einfacher Entscheidungen werden, wenn du mit Leuten zusammensitzt, die den Schritt schon gegangen sind.
Einige Links sind Affiliate-Links. Dir entstehen keine Mehrkosten.
Newsletter
Erhalte wöchentlich die besten Tipps für digitale Nomaden
Kein Spam, kein Bullshit. Nur das, was wirklich hilft, wenn du ortsunabhängig arbeiten willst.
Interesse?
Bewirb dich jetzt
Bewirb dich über diesen Link und spare 25% auf deinen ersten Monat.
Jetzt bewerben. 25% Rabatt sichern